Mail aus Abu Dhabi: Spasskultur

Das widersinnigste Gebäude hierzulande befindet sich in Dubai, in der «Mall of the Emirates»: «Ski Dubai» heisst das Gaudi und ist so etwas wie das Skiparadies von Lenzerheide im Kleinen. Mit einigen wenigen Unterschieden: Man befindet sich nicht auf über 2000 Meter über dem Meeresspiegel, sondern lediglich in 80 Meter Höhe. Zwar ist die reine Schneefläche doch mehr als stattliche zwei Hektaren gross, aber jenseits dieser Fläche ist wieder: Grossstadt und Wüste. Die Temperatur ist mit -2 °C für hiesige Verhältnisse auch eher ungewöhnlich. Vor allem, wenn man im Sommer ausserhalb dieses Funparks wieder in schweisstreibenden 45 °C Hitze steht.

Wer ein einigermassen intaktes ökologisches Bewusstsein hat, der muss angesichts dieses unglaublichen Energieverbrauchs auch fragen: Was soll das? Die Antwort ist nicht so ganz einfach. Allein Geschäftemacherei anzuführen, greift zu kurz. Vermutlich hat die Antwort etwas zu tun mit der äusserst ausgeprägten, amerikanisch abgekupferten Spass-Mentalität dieses Landes. Mich erinnert diese Art von Event-Kultur ein wenig an das antike Rom: Man folgt der alten Idee von «Brot und Spielen». Warum dann nicht anstatt Shoppen oder Skifahren in die Oper oder ins Theater? Hier tut sich der arabische Kulturraum noch schwer. Das zweite Opernhaus neben jenem ältesten in Muscat (Oman) ist erst im vergangenen September in Dubai eröffnet worden. Zunehmend bietet aber das Abu Dhabi National Theatre Konzerte ausländischer Chöre und Orchester an. Und da sind durchaus wahre Perlen darunter.

(Quelle: forum 5/2017)

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