Worte aus der Wüste

  • Katholisch unter Muslimen 12/01/2018

    von Beatrix Ledergerber-Baumer (forum 2/2018)

    Reportage aus Abu Dhabi: Von Abu Dhabi aus werden die Katholiken im südlichen Arabien betreut. Besuch in einer Welt der Migranten, in der die katholische Kirche unter staatlich vorgegebenen Bedingungen kulturelle und religiöse Freiräume bietet.

    Der Wüstensand reicht direkt an die Hochhäuser, die Hitze spüre ich vor lauter Aircondition kaum. Ich bin am persischen Golf – und gleichzeitig zu Gast bei Katholiken Zum katholischen Bezirk gehören Bischofshaus, Bischofkirche, Pfarrhaus, Pfarrkirche, katholische Schule. Und er steht direkt neben einer Moschee, die völlig überraschend «Mary Mother of Jesus» heisst.

    Fünfmal, Tag und Nacht, ertönt der Ruf des Muezzins mitten ins Hochgebet der Messe hinein, übertönt auch die Musik, zu der die Kinder in grauweissen Uniformen für das 50-Jahr-Jubiläum ihrer Schule Tänze proben. Und sie proben die ganze Woche über, jeden Tag im Schatten einer grossen Zeltplache vor dem Schulhaus. «Sie lernen diese Woche nichts anderes», schmunzelt der Appenzeller Kapuzinerpater Gandolf Wild, der hier mit Bischof Paul Hinder arbeitet.”

     

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  • Brief aus Arabien 2017 13/12/2017

    Abu Dhabi, im Advent 2017

    Herzliche Adventsgrüsse aus Arabien,

    das Ende des dritten Jahres in Arabien zeichnet sich allmählich ab. Nicht nur das: Ende August, wenige Tage nach der Rückkehr aus den Sommerferien, hatte ich nach dreissig Monaten die Hälfte meiner  Zeit hier verbracht. Es fliegt. Ich versuche, zu verdrängen, dass immer bei allen Erlebnissen gefühlt die zweite Hälfte doch schneller vergeht als die erste. – Noch schneller?

    Dieses Jahr war bestimmt vom Gefühl, nun wirklich angekommen zu sein. Neben all den neuen Erfahrungen sind viele Dinge Routine geworden – nicht nur Dinge des Alltags, sondern auch des Jahresverlaufes. Mit diesem Angekommensein ist auch der Glanz des Neuen, des Unbekannten und Exotischen weitestgehend futsch. Es gibt den mehr oder minder geregelten Alltag, das Jahr mit seiner Struktur; es gibt die Dinge, die immer wieder Freude machen – wie auch den ganz normalen Ärger.

    Auch dieses Jahr war wieder sehr ereignisreich. Das ist sicher ein markantes Merkmal meines Lebens hier: Ruhig ist anders. Das Lebenstempo ist enorm hoch, die Ereignisse reihen sich wie Perlen auf eine Kette. Es gibt wohl ruhige und entspannte Wochen, aber irgendetwas passiert immer. Daran hat sich seit meiner Ankunft nicht viel geändert.

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  • Mail aus Abu Dhabi: Arrangierte Liebe 07/11/2017

    Vor einigen Jahren erzählte mir ein junger Inder von der bevorstehenden Hochzeit seines Cousins. Er freute sich sehr darauf, grosse Teile seiner weitverzweigten Familie zu diesem Fest in Kerala wiederzusehen. Und er war gespannt, wen denn seine Tante und sein Onkel da zur Braut für seinen Cousin erwählt hatten. – Wie bitte?

    Ich schaute wie von allen guten Geistern verlassen. Eine arrangierte Ehe – im 21. Jahrhundert? Klar – wo ist das Problem?

    Was sich damals so exotisch ausnahm, ist hier in Arabien fester Bestandteil meiner Erfahrungen geworden. Der Trend unter den Twens geht vielleicht davon weg, aber Eheleute meines Alters führen nahezu ausnahmslos arrangierte Ehen:  Die Eltern von Braut und Bräutigam haben geschaut, wer da zueinander passt. Oftmals unter Wahrnehmung ganz eigener Interessen. Und weil zumindest am Anfang die jungen Eheleute oft im Hause seiner Eltern wohnen, ist jeder Braut bewusst, dass sie nicht nur ihren Bräutigam heiratet, sondern die ganze Familie. Zuerst natürlich die Schwiegermutter.  Die oftmals vorprogrammierten Probleme haben einen festen Platz in unseren Ehevorbereitungskursen – und später dann in der Eheberatung.

    Was sich aus europäischer Sicht so völlig unglaublich anhört, funktioniert an vielen Stellen der indischen Kultur durchaus. Auf Schwierigkeiten angesprochen antworten mir indische Gläubige immer wieder, dass auch die europäische Art von Ehe nicht so ganz problemlos ist. Was stimmen mag.

    Doch überzeugt bin ich dennoch nicht: Mir sagt irgendwie das westliche Frauen- und Ehebild eher zu.

    (Quelle: forum 23/2017)

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  • Mail aus Abu Dhabi: Terror hautnah 12/10/2017

    Es war am Freitag, 4. März 2016: Wir sassen beim gemeinsamen Mittagessen, als das Handy von Thomas Sebastian, dem Bischofssekretär, läutete: Islamisten hatten den Konvent der Schwestern Mutter Teresas in Aden überfallen. Vier Schwestern und etliche Mitarbeiter waren umgebracht worden. Salesianerpater Tom Uzhunnalil, der Hausgeistliche, entführt. Im Jahr zuvor hatte er mir noch erzählt, dass es für ihn wichtig sei, auch jetzt im Krieg für die Menschen im Land da zu sein. Und für die Ordensschwestern. Vielleicht hatte ihn sein Mut das Leben gekostet.

    In den 18 Monaten seitdem ist Vieles geschehen – das Meiste unsichtbar hinter den Kulissen. Daneben gab es auch mediale Dummheiten wie den Fake-Bericht von Toms Kreuzigung am Karfreitag letzten Jahres, bei dem auch europäische Kirchenmänner nicht unbedingt Glanzrollen gespielt haben. Neben den vielen diplomatischen Bemühungen unterschiedlichster Seiten konnte Tom in seiner lebensgefährlichen Lage sich vor allem eines sicher sein: des Gebetes unzähliger Gläubiger weltweit.

    Am Dienstagmorgen, 12. September 2017, kam aus dem Oman schliesslich die befreiende Botschaft von der Freilassung P. Toms. Noch am selben Tag wurde er aus dem Jemen via Muscat im Oman nach Rom ausgeflogen, wo er sich einige Tage zur Erholung und zu medizinischen Untersuchungen aufhielt. Er hatte die Möglichkeit, Papst Franziskus zu danken, und wurde schliesslich von einem unendlich erleichterten Bischof Hinder in die Arme geschlossen.

    Danke all jenen, die in der Schweiz mitgehofft und mitgebetet haben.

    (Quelle: forum 21/2017)

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  • Mail aus Abu Dhabi: Sommerlager 18/09/2017

    Wenn JuBla oder die Pfadis ins Sommerlager gehen, dann stehen für mehrere Wochen Zelt- oder Lagerhausaufenthalt – verbunden mit Hikingtouren und anderen Erlebnissen – an. Mit diesem Erfahrungshintergrund war ich schon letztes Jahr gespannt, was wohl hier in unserer Pfarrei und in etlichen anderen Gemeinden des Vikariates im «Summer Camp» läuft. Zelten? Bei 50 Grad?

    Meine Sorgen waren unbegründet. Denn gecampt im JuBla/Pfadi-Sinne wird hier nicht. Das Summer Camp ist eine – von Pfarrei zu Pfarrei verschieden lange – Zeit in den Sommerferien, in der die Kinder der Pfarrei eingeladen sind, jeden Tag im Pfarrhaus den Nachmittag zu verbringen. Hier in Abu Dhabi einen Monat lang.

    In diesem Jahr kommen nun an fünf Tagen in der Woche knapp zweihundertvierzig Kinder und gut vierzig Freiwillige zusammen. Jeder Tag steht unter einem anderen Motto. Die Themen variieren in mehr oder weniger religiöser Art: Mal erzählt eine Ordensschwester über den Rosenkranz, mal kommt der Zauberer. Und jeder Tag endet mit der Messe. Am Wochenende – Freitag und Samstag – ist frei, sonntags gibt es einen Ausflug.

    Ich erinnere mich an die Diskussion über die Kirchlichkeit katholischer Jugendverbände in der Schweiz vom letzten Jahr – das ist kein Thema hier in der Kirche in Arabien. Dennoch muss man die hiesige Situation genau anschauen: Sicher ist es kein Zufall, dass die meisten Kinder aus Familien bestimmter religiöser Prägung stammen. Ein paar Ministranten, die ich gefragt habe, ob sie denn auch dabei wären, haben nur sehr energisch den Kopf geschüttelt.

    (Quelle: forum 19/2017)

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