US-Wahlen – eine Kirchenspaltung mehr

imagesDie eine Hälfte der Welt bedauert das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in den USA, die andere freut’s. Die Weltpolitik ist ein wenig sexistischer, rassistischer, xenophober und homophober geworden. Sollte man meinen. Meint aber nicht jeder. Papst Franziskus hat wohl gesagt: “Der Mann ist kein Christ.” – Aber wer hört schon auf den Papst.

Meine Chefin, US-Amerikanerin aus dem Bundesstaat Virginia, ist sicher nicht unbedingt eine Democratic. Wie sie betont. Aber, wie sie mir wiederum mehrmals sehr eindeutig klar machte, in diesem Fall kann man ja wohl nicht anders. Ihr Mann führte mir dazu aus, was denn eine Wahl Trumps für die Staaten wirklich heissen würde. Ich geb’ das hier nicht gross wieder: Es sind die gleichen Aussagen, die landauf-landab in den internationalen Medien zu finden waren. Nach den ersten Fernsehduellen Clinton-Trump beherrschten dicke Augen die Morgenstunden und die Atmosphäre hier im Büro – fanden doch die Duelle mitten in arabischen Nächten statt. Aber von schlechter Laune keine Spur.  Bis dahin war die Welt recht ok.

Als ich selbst am Morgen des 9. Novembers meine Schockstarre halbwegs überwunden hatte, schrieb ich meiner Chefin einen freundlichen Gruss: “Yeah, it’s a boy.” Okay, ich gebe zu: Sensibilität kommt anders daher. Die Antwort kam entsprechend spitz zurück. Ich überlegte für eine kurze Weile, das Büro zu meiden, aber das würde auch nicht helfen. Also hinein ins Vergnügen. Es war ein harter Morgen.

Tage später traf ich unseren Diakon – ebenfalls aus Richmond in Virginia. Ich hatte ja gelernt. Und fragte vorsichtig: “Und – wie ist es so mit dem neuen Präsidenten?” – “Bestens – ich hab ihn ja gewählt”, – davon musste ich mich doch erst mal erholen. Und ich sagte nur: “Einen rassistischen , homophoben, xenophoben …” – ich weiss: nicht sensibel, – aber ehrlich. Worauf ich mir anhören konnte, was ich aus republikanischen Statements schon kannte.

Die imagesnächsten Tage liessen mich dann mal die Stellungnahmen der katholischen Kirche in den USA ein wenig intensiver verfolgen. Die freundlichen Glück- und Segenswünsche überwogen deutlich. Zweckoptimismus in einer eh unabänderlichen Situation? – “Dieser Mann ist kein Christ.” Vielleicht waren all die freundlichen Worte auch der Versuch des Episkopats, zerbrochenes Geschirr zu kleben.

Ich fühlte mich erinnert an das Lukas-Wort: “Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.” (Lukas 12,52)

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